Perfekte Instrumentierung

Endo-Wissen von A bis Z

Die Endodontie ist ein verantwortungsvolles Fach, das sich von der Inzisalkante bis zur Wurzelspitze erstreckt. Jeder Einzelschritt ist erklärungsintensiv. Endo-Fachberater von Komet holen den Zahnarzt genau dort ab, wo er in der Endo steht. In den folgenden Statements nehmen sich fünf von ihnen jeweils eines Arbeitsgebiets der Endo an und bringen die FAQs zur Instrumentierung auf den jeweiligen Punkt. Alles schön chronologisch, also von der Kavitätenpräparation bis zur Obturation bzw. orthograden Wurzelkanalrevision.


Komet Endodontie

Vom Feilenmanagement bis hin zur Längenmessung: Komet Dental deckt mit seinen Produkten alle Bereiche der Endodontie ab © Komet


Kavitätenpräparation: elegant zum „straight line access“

Komet ENDO-Fachberater Amir Araee: Nur wer koronal die korrekten Voraussetzungen schafft, kann in der Tiefe lege artis arbeiten. Bei Schaffung der primären Zugangskavität müssen nicht nur das Pulpakammerdach, sondern auch die Dentinüberhänge abgetragen werden. Dafür braucht es Spezialinstrumente, die einen geradlinigen Zugang schaffen, sodass die Feilen schließlich ohne koronale Interferenzen nach unten geführt werden können. Gleich nach der Eröffnung der Pulpakammer empfehle ich daher den EndoGuard (Abb. 1). Seine glatte Spitze schützt den Pulpakammerboden und vermeidet den exzessiven Abtrag von Zahnhartsubstanz. Besonders kalzifizierte Kanäle, Sekundärkaries oder Reste von Kunststoffaufbauten bei einer Revision können den Zahnarzt aber vor eine große Aufgabe stellen. In solchen Fällen empfehle ich dem Generalisten den EndoTracer, einen besonders langen Rosenbohrer (31 und 34 mm) mit schlankem Hals, also ideal für die filigrane Ausgestaltung von Isthmen und Kanaleingängen.

EndoGuard Komet Endodontie

Nach initialer Öffnung der Pulpakammer erleichtert der EndoGuard (Komet Dental) mit seiner Querhieb-Verzahnung den Abtrag von Dentinüberhängen und schafft damit freie Sicht auf die Kavität. © Komet

Endo-Spezialisten favorisieren an dieser Stelle vielleicht den EndoExplorer. Sein Einsatz setzt ein Mikroskop mit bis zu 20-facher Vergrößerung voraus. Der EndoExplorer ermöglicht mit seinem konischen Instrumentenkopf ein feines, nahezu druckloses Abtragen von Zahnhartsubstanz. Er gehört aber ausschließlich in die Hand von Endo-Profis. Bei der Schaffung der sekundären Zugangskavität wird anschließend das koronale Drittel des Wurzelkanals aufbereitet. Zahnärzte greifen dann gerne zu Gates-Bohrern und betonen deren Sollbruchstelle. Gates-Bohrer tendieren aber dazu, sich zu verbiegen. Wer dann Druck ausübt, läuft Gefahr, eine via falsa zu verursachen bzw. Debris nach unten zu transportieren.

Das kann mit dem Opener nicht passieren. Dank seines Doppel-S-Querschnitts ist er angenehm flexibel, schützt vor Überpräparation und sorgt für einen schnellen und gründlichen Abtrag von koronal infiziertem Gewebe. Dann wird erst einmal gründlich und lange gespült. Um schließlich auf ganze Länge zu kommen, sollte mit einer Patency-Feile vorsichtig manuell sondiert werden. Anschließend empfehle ich den PathGlider zur Erstellung eines Gleitpfads. Mit Taper .03 ebnet er den nachfolgenden maschinellen Feilen den Weg und verringert das Risiko von Kanalverlagerungen und Stufenbildungen.

Feilenmanagement: rotierend oder reziprok zum Ziel

Komet Endo-Fachberater Johann Klassen: Die Wünsche des Zahnarztes zielen immer auf Vereinfachung, Effizienz und Zuverlässigkeit. Meine erste Frage wird lauten: Mit welchem System haben Sie bisher gearbeitet? Rotierend oder reziprok? Ich orientiere mich also an seiner gewohnten Arbeitsweise, man soll sich ja nicht umstellen müssen. F360 und F6 SkyTaper wären dann die Option für rotierend, R6 ReziFlow für reziprok. Dann frage ich nach der favorisierten Abfüllmethode: Wer eine warme dreidimensionale Obturation anstrebt, wird das Kanalsystem mit F6 SkyTaper durch den Taper .06 optimal vorbereiten. Das wäre dann auch die beste Voraussetzung für eine aktivierte chemische Desinfek‧tion, z. B. mit der SonicLine Spülspitze SF65. Bei Endo-Profis leuchten dann die Augen. Sie nutzen F6 SkyTaper auch gerne als Revisionsfeile.

Feilen Komet Endodontie

Die beiden F360â-Feilen in den Größen 025 und 035 werden rotierend auf voller Arbeitslänge eingesetzt. © Komet

Wer sich an dieser Stelle eine sichere, aber einfache Lösung wünscht, für den ist F360 dann die richtige Wahl. Der schlanke Taper .04 verleiht den Feilen eine große Flexibilität. Daher passen sie sich jeder Kanalanatomie an. Selbst gekrümmte Kanäle können mit F360 substanzschonend aufbereitet werden. Durch diverse Studien (u.a. von Prof. Schäfer, Münster) ist das System wissenschaftlich gut abgesichert. Und wer gerne reziprok arbeitet, aber findet, dass seine Feilen zu aggressiv sind bzw. die Auswahl zu gering ist, dem empfehle ich die R6 ReziFlow mit sechs Feilengrößen. Unser Slogan „Die reziproke Sanftheit“ trifft es wirklich gut: Die Kunden schätzen die Ruhe und Sensibilität mit R6 im Wurzelkanal.

EndoPilot mit Mehrfachfunktion

Komet Endo-Fachberaterin Vanessa Eggerth: Der EndoPilot kommt ins Spiel, wenn Kunden über Empfehlung oder über Meinungsbildner auf Fortbildungskursen an mich herantreten. Bereits in den Motor sind schöne Sicherheitsclous eingebaut. LED-Leuchten am Handstück zeigen die Drehmomentgrenze an. Ist das Drehmoment erreicht, verhindert die Twist-Funktion das Blockieren der Feile. Bei Apexannäherung wird das Drehmoment außerdem automatisch reduziert. Und sobald der Apex erreicht ist, stoppt er kurzzeitig und läuft vorsichtig im Rechtslauf wieder an. Die Sicherheit setzt sich auch bei der Längenmessung fort, die dank des Impulsmessverfahrens in Echtzeit passiert. Der Zahnarzt hat die Feilenposition jederzeit unter Kontrolle, denn das Winkelstück leitet das Signal des Apexlocators direkt auf die Feile.

EndoPilot

Der EndoPilot führt die Längenmessung in Echtzeit durch. © Komet

Auch dass das Winkelstück keine extra Schutzhülle braucht, wird positiv wahrgenommen. Es ist samt Motor komplett isoliert. Und was verbirgt sich hinter der „Feilendatenbibliothek“? Das Menü hat einen Großteil der auf dem Markt befindlichen Feilen mit ihren individuellen Sequenzen vorprogrammiert – auch die, die nicht von Komet stammen. Das schätzen Endo-Spezialisten, weil sie gerne aus verschiedenen Systemen bevorzugte Feilen ziehen. So kann sich der Kunde seine eigene Sequenz aus verschiedenen Feilensystemen zusammenstellen und in dem Programm „myfile“ speichern und abrufen. Das macht den Behandlungsablauf deutlich strukturierter und übersichtlicher. Das werden auch Endo-Einsteiger so empfinden. Jeder klickt sich intuitiv und zügig durch die Sequenzen. Individuelle Sequenzen und Marktneuzugänge können problemlos per Software-Update aufgespielt werden. Kompliziert will es niemand in der Praxis!

Obturation: einfach, schnell und dicht

KOMET Endo-Fachberater Bodo Wahl: Nach Aufbereitung und chemischer Reinigung des Wurzelkanalsystems ist das Ziel der Obturation, die Kanäle dicht zu verschließen, um eine Reinfektion zu vermeiden. Entscheidend ist gleich zu Anfang die Frage nach dem Wurzelkanalaufbereitungssystem. Der Taper entscheidet weitestgehend über die Obturationsmethode. Bis zu Taper .04, den man z. B. mit dem Feilensystem F360 herstellen kann, empfehlen wir Zahnärzten die Zentralstifttechnik mit unserem passenden Guttapercha- und Papierspitzensortiment. Optional kann aber auch ein carrierbasiertes Füllsystem, z. B. F360 Fill, eingesetzt werden. Der Name ist etwas irreführend, denn diese Obturatoren funktionieren selbstverständlich nicht nur nach der Aufbereitung mit F360, sondern auch bei einem Taper .06. durch F6 SkyTaper oder R6 ReziFlow.

Spitzensortiment Komet Endodontie

Bis Taper .04 empfiehlt sich die Zentralstifttechnik mit dem passenden Guttapercha- und Papierspitzensortiment. © Komet

Spezialisten würden bei einem so großen Taper wahrscheinlich eher eine warm-vertikale Obturation mit Down-Pack und Back-Fill favorisieren. Das ist reine Geschmackssache. Meine nächste Frage wird also immer lauten: Was war Ihre bisher bevorzugte Obturationsmethode? Ich will ja nichts umkrempeln, sondern die Praxis unterstützen. Die meisten Zahnärzte setzen aber auf die laterale Kondensation per Zentralstifttechnik. Also: Aufbereitung, chemische Reinigung, Obturation mit passender Guttaperchaspitze, Sealer dazu, fertig! Wer im System bleiben möchte, greift zu EasySeal, unserem Wurzelfüllmaterial auf Epoxidharzbasis. Das ist dimen‧sionsstabil und röntgenopak. So bekommz man schnell und effizient den apikalen Verschluss umgesetzt. Wer lieber mit einem trägerbasierten Füllsystem arbeiten will, der greift zu den F360-Fill-Obturatoren für eine thermoplastische, dreidimensionale Wurzelfüllung, die im F360-Fill-Ofen erwärmt werden. Damit ist F360 Fill ein universelles Trägerstiftsystem; die Handgriffe sind in unserer Endo-Broschüre schön dargestellt und schnell verinnerlicht.

Orthograde Wurzelkanalrevisionen

Komet Endo-Fachberater Martin Spitznagel: Niemand nimmt gerne Revisionen vor. Es kann an der Nichtentfernbarkeit der alten Wurzelfüllung haken, Instrumente können brechen, oder der apikale Endpunkt der Aufbereitung wird einfach nicht erreicht. Jeder Zahnarzt wünscht sich dann rotierende Instrumente, die richtig anpacken. Gerade im koronalen Drittel sitzt das meiste, harte Guttapercha. Der Zahnarzt benötigt initial ein Instrument wie den Endo ReStart Opener, der offensiv vorgeht und kontrolliert eindringt. Für die übrige Wurzelfüllung empfehle ich dann die Endo ReStart Feile mit ihrer besonderen Schneidengeometrie: Endo ReStart Opener und Endo ReStart Feile besitzen eine nichtschneidende Instrumentenspitze, die mit einer Verjüngung versehen ist. Damit arbeiten sie sich leicht in das Füllmaterial ein. Außerdem schrauben sie sich dank eines Plus an Windungen an der Instrumentenspitze sehr gut in die Wurzelfüllung ein.

Endo ReStart Opener Komet Endodontie

Während der Endo ReStart Opener sehr effizient bei der Entfernung von Obturationsmaterial im koronal Drittel eingesetzt werden kann, wird im mittleren und apikalen Drittel das Obturationsmaterial mit den Endo ReStart Feilen entfernt. © Komet

Komet nennt das den „dynamic twist“. Im Verlauf des Arbeitsteils wird der Abstand zwischen den Windungen dann größer. Dadurch wird die Guttapercha optimal nach oben aus dem Kanal wegtransportiert. Dabei darf nichts nach lateral ausbrechen. Der Zahnarzt muss darauf vertrauen können, dass sich die Feile von oben in die Guttapercha „hineinfrisst“ – und darin auch bleibt, sich also nicht einen einfacheren Weg aus der harten Guttapercha hinaus sucht und eine via falsa produziert. Darauf ist bei der Endo ReStart Feile Verlass: Sie bricht nicht aus und transportiert sauber nach koronal ab. Ich höre immer nur: „Schnell, einfach und klappt“!

Wer bei der finalen Präparation den Wurzelkanal z. B. mit F360, also mit Taper .04, aufbereitet hat und die Revision mit der ReStart Feile mit Taper .05 durchführt, der sollte für die finale Präparation dann zu einem größeren Taper greifen. Ich empfehle F6 SkyTaper mit konstantem Taper .06. Das stellt sicher, dass sämtliche Debris aus dem Kanal wegtransportiert werden.