Technische Entwicklungen in der Zahnmedizin

Zahnarzt vs. KI – wer diagnostiziert Karies besser?

Die Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt immer mehr an Relevanz – auch in der Zahnmedizin. Künftig könnte sie schon in der Kariesdiagnostik eingesetzt werden. Eine aktuelle Studie beleuchtet, welche Vorteile eine KI haben könnte – und wo sie das Nachsehen hat.


Zahnarzt KI

Die KI kann die Genauigkeit der Diagnose erhöhen. © 3dkombinat – stock.adobe.com


Kann ein Zahnarzt oder eine KI Karies zuverlässiger diagnostizieren? Das Unternehmen Pearl, das KI-Systeme für die Zahnmedizin entwickelt, führte hierzu eine Studie durch. Sie sollte herausfinden, wie wirksam die Diagnosesysteme auf KI-Basis im Vergleich zur Diagnose menschlicher Zahnärzte sind.

Uneinigkeiten bei den Zahnärzten

Mehr als 8.700 Bissflügelaufnahmen und periapikale Röntgenaufnahmen lagen dazu vor. Anhand der Aufnahmen verglichen die Studienautoren die Diagnosefähigkeiten von drei Zahnärzten mit denen einer KI. Insgesamt lag die KI laut Untersuchungsergebnissen durch eine höhere Genauigkeit und Konsistenz vorn. Außerdem konnten die Forscher feststellen, dass teilweise die Diagnosen der drei Zahnärzte stark voneinander abwichen.

Lag keine Karies vor, stimmten die Diagnosen der Zahnärzte zu 79 Prozent überein. War jedoch eine Karies vorhanden, lag die Übereinstimmung nur bei 4,2 Prozent. Das entspricht etwa 370 Röntgenaufnahmen. In einem von fünf Fällen diagnostizierten zwei der Zahnärzte eine Karies, der dritte jedoch nicht.

Mehr Genauigkeit

Mit ihrer Studie wollten die Forscher nicht zeigen, dass ein Zahnarzt durch eine KI ersetzt werden könne, denn das sei nicht der Fall. Ihr Ziel sei es dagegen gewesen zu zeigen, dass eine KI in Zukunft als Diagnosewerkzeug fungieren könne, um die Genauigkeit zu erhöhen. Das könne auch zu einer besseren Patientenbehandlung führen. Dennoch seien hierzu weitere Studien nötig.

Transparenz zwischen Zahnarzt und KI

Die technischen Entwicklungen im Bereich der KI unterstützt auch der Council of European Dentists (CED), betont jedoch gleichzeitig den Mangel eines regulatorischen Rahmens für die Entwicklung und Anwendung solcher Produkte. Es fehle ein robuster Rechtsrahmen, der auch Haftungsfragen kläre.

Auch die technische Transparenz zwischen Zahnarzt und KI sowie Standards zur Bewertung von KI-Entscheidungen müssten eine Rolle spielen. Der Zahnarzt müsse die verwendeten Algorithmen verstehen, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Dies sei derzeit noch nicht der Fall. Deshalb solle die KI rein unterstützend verwendet werden, sodass sie die Autonomie des Zahnarztes in seinen endgültigen Entscheidungen nicht berühre.


Quelle: dentistry.co.uk